panel II.


Partizipatives Forschen über die Menstruation als Sozialisations- und Bildungsaufgabe: Prämissen und Herausforderungen 
Anja Böning & Johanna Pangritz

Das Einsetzen der Menstruation, die sogenannte Menarche, stellt innerhalb der Jugendphase ein wichtiges Ereignis dar, welches die sexuelle Reife von Menstruierenden markiert. Jedoch gibt es bisher kaum Forschungserkenntnisse dazu, wie sich menstruierende Jugendliche die Menstruation als sozial-kulturelles Phänomen aneignen. Das Forschungsprojekt ›Menstruation als Bildungs- und Sozialisationsaufgabe‹ widmet sich dem. Dabei ist der Forschungsprozess partizipativ ausgelegt, sodass er mit einigen (datenschutz-)rechtlichen Herausforderungen verbunden ist. Der Vortrag möchte thematisieren, dass gerade der Einbezug von Kindern und Jugendlichen als Co-Forscher:innen, die Triangulation unterschiedlicher partizipativer Ansätze und das Erforschen der Menstruation neue rechtliche Aufgaben für die Forschenden formulieren, die über die Auseinandersetzung mit dem Datenschutz  hinausgehen. In diesem Zusammenhang wird für Forschende auch die Kenntnis des Urheberrechts von Bedeutung.

Dr.in Anja Böning hat Rechtswissenschaft, Erziehungswissenschaft und Soziologie in Marburg und Bochum studiert und in Rechtswissenschaft promoviert. Sie leitet den Arbeitsbereich Gender im Recht an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der FernUniversität in Hagen und ist Geschäftsführerin des Instituts für juristische Didaktik In Iure. 

Dr.in Johanna Pangritz hat Erziehungswissenschaft, Soziologie, Psychologie sowie Gender Studies an der Universität Bielefeld studiert und in Erziehungswissenschaft promoviert. Sie ist aktuell Postdoktorandin an der Universität Potsdam im Lehrgebiet Erziehungs- und Sozialisationstheorien sowie Research Fellow am soziologischen Institut der Universität Hradec Králové (Tschechien).

Credits: Böning/Pangritz

»psst… hast du mal einen Tampon?«
Kulturwissenschaftliche Erkenntnisse zum Alltagserleben der Menstruation

Lotte Bauer

»Periods are normal, showing them should be too« dies war 2017 der Slogan eines internationalen Werbefilms »Blood normal« von Bodyform/Libresse für Periodenprodukte, der erstmals ›rotes Blut‹ statt blauer Flüssigkeit zeigte. Dies habe ich als Anlass genommen, um die (vermeintlich) verstärkte mediale Thematisierung der Menstruation mit erlebten Alltagserfahrungen von Menschen zwischen 20 und 35 Jahren zu überprüfen. Auch wenn die ›Normalität‹ der Menstruation von den interviewten Frauen und Männern stark betont wurde, so wurde schnell deutlich; bis zur schambefreiten und enttabuisierten Alltagsrealität ist es wahrscheinlich noch ein weiter Weg.

Lotte Bauer, ist neugierig und stellt gerne Fragen, (vielleicht auch) deshalb hat sie 2016- 2018 zum Thema Menstruation aus kulturwissenschaftlicher Sicht geforscht und in ihrer Masterarbeit Frauen und Männer zu ihrem Alltagserleben und Erfahrungen mit der eigenen oder fremden Menstruation befragt. Aktuell arbeitet sie als Referentin im pädagogischen Bildungsbereich, ist Anti-Bias Trainerin, und Systemische Coachin und wohnt mit ihrer Familie in Darmstadt.

Credits: Lotte Bauer

Träumen Roboter vom Bluten? Feministische Potentiale posthumanen Menstruierens
Hannah Link

Welche Transformation findet statt, wenn Technik am Menschen ansetzt und Körperfunktionen imitieren kann? Wie werden durch Technologien Geschlechterungleichheiten veränderbar? Anhand der Menstruationsmaschine der Künstlerin Sputniko! werde ich die Schnittstelle von feministischer Theorie und Technologie als zentralen Ansatzpunkt feministischer Praxis diskutieren.

Hannah Link ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Sonderforschungsbereich 1482 „Humandifferenzierung“ und am Institut für Soziologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. In ihrem soziologisch-ethnografischen Dissertationsprojekt analysiert sie am Fall der Robotik die Differenzierung zwischen Mensch und Nicht-Mensch. Im Zentrum der Arbeit stehen humantheoretische Annahmen über ‚den Menschen‘ und die informationelle und maschinelle Implementierung dieser Annahmen in die Gestalt von Robotern. Ihre Forschungsinteressen umfassen Soziologie der Materialität, Posthumanismus, Feministische Theorie und Wissenssoziologie.

Credits: Hannah Link